Wurzeln richtig trocknen: Die komplette Anleitung für Tee & Küche
Im Herbst ist Wurzelzeit! Ich zeige dir, wie du Wurzeln richtig erntest, trocknest und lange haltbar machst.

Wenn die Blätter fallen und der Garten zur Ruhe kommt, beginnt für mich eine meiner liebsten Erntezeiten: die Zeit der Wurzeln. Löwenzahn, Baldrian, Beinwell und Brennnessel speichern jetzt ihre ganze Kraft in der Wurzel – der beste Moment, sie für den Winter zu ernten. Doch anders als Blätter und Blüten sind Wurzeln dick, hart und voller Wasser. Wer sie so trocknet wie ein Sträußchen Thymian, hat nach zwei Wochen Schimmel statt Vorrat.
In diesem Beitrag zeige ich dir, wann du Wurzeln erntest, wie du sie richtig vorbereitest, welche drei Trocknungsmethoden sich bewährt haben und woran du erkennst, dass sie fertig sind. Die Anleitung gilt für alle Wurzeln aus Garten und Wiese, vom Löwenzahn bis zum Kren.
Warum lohnt es sich, Wurzeln zu trocknen?
Frische Wurzeln halten im Kühlschrank ein paar Tage, im Keller vielleicht ein paar Wochen. Getrocknet bleiben sie ein ganzes Jahr aromatisch und wirksam. Das Trocknen entzieht den Wurzeln das Wasser, das Schimmel und Bakterien zum Wachsen brauchen, und konzentriert dabei die Inhaltsstoffe. Von getrockneten Wurzeln brauchst du daher nur ungefähr ein Drittel der frischen Menge.
Getrocknete Wurzeln sind außerdem die Grundlage für vieles, was ich in der Kräuterküche und in der Hausapotheke daraus mache: Tees, Wurzelpulver, Tinkturen und Ölauszüge für Salben. Wer im Oktober ein paar Gläser füllt, hat bis zur nächsten Ernte immer etwas zur Hand.
Hinweis zur Abgrenzung: In diesem Beitrag geht es um Wurzeln zum Verzehr und zur Verarbeitung. Wenn du dekoratives Wurzelholz oder Treibholz trocknen möchtest, gelten andere Regeln, die ich hier nicht behandle.
Wurzeln ernten: Zeitpunkt, Werkzeug & Sammelregeln
Die goldene Regel lautet: Wurzeln erntest du dann, wenn die Pflanze oberirdisch ruht. Das ist entweder im Spätherbst, nachdem die Blätter welk geworden sind, oder im zeitigen Frühjahr, bevor die Pflanze neu austreibt. In dieser Zeit hat sie ihre Reserven, also Stärke, Inulin, Bitterstoffe und ätherische Öle, in der Wurzel gespeichert. Erntest du im Sommer, steckt die Kraft in Blättern und Blüten, und die Wurzel ist vergleichsweise leer.
Für die meisten unserer heimischen Wurzeln ist der Oktober und November die beste Zeit. Ich warte gerne auf ein paar Tage mit trockenem Boden, dann geht das Graben leichter und die Wurzeln kommen sauberer heraus. Nach starkem Regen klebt die Erde und du reißt mehr Pflanzen ab, als du Wurzeln erntest.
Bei mehrjährigen Pflanzen zählt außerdem das Alter. Löwenzahnwurzeln aus dem zweiten Jahr sind deutlich kräftiger als die dünnen Wurzeln einer Jungpflanze. Baldrian erntet man klassisch im Herbst des zweiten Standjahres.
Was du zum Graben brauchst:
Sammle nur dort, wo du die Pflanze sicher bestimmen kannst und wo weder Straßenverkehr noch Hundespaziergänge das Umfeld belasten. Und lass immer genug Pflanzen stehen: Wer die Wurzel erntet, nimmt die ganze Pflanze mit. Wenn du beim Bestimmen unsicher bist, ist eine Kräuterwanderung der beste Weg, das gemeinsam draußen zu üben.
Wurzeln vorbereiten: Waschen, Bürsten, Schneiden
Die Vorbereitung entscheidet mehr über das Ergebnis als die Trocknungsmethode selbst. Nimm dir dafür etwas Zeit, am besten noch am Erntetag.
- 1
Erde abschütteln und grob bürsten. Am besten noch draußen, damit du dir nicht die halbe Wiese in die Küche holst.
- 2
Unter fließendem kaltem Wasser waschen. Mit einer Gemüsebürste alle Erdreste aus den Rillen bürsten. Keine Seife, kein Einweichen: Wurzeln saugen sich sonst voll und trocknen später schlechter.
- 3
Feine Seitenwurzeln und faule Stellen entfernen. Weiche, dunkle oder hohle Stellen mit dem Messer wegschneiden. Verholzte Wurzelenden alter Pflanzen kannst du ebenfalls entsorgen, sie haben kaum Inhaltsstoffe.
- 4
Abtrocknen lassen. Die gewaschenen Wurzeln eine Stunde auf einem Küchentuch abtropfen lassen, damit du beim Schneiden nicht auf nassem Material arbeitest.
- 5
In gleichmäßige Stücke schneiden. Das ist der wichtigste Schritt. Dünne Wurzeln schneide ich in 3 bis 5 mm dicke Scheiben, dicke Wurzeln halbiere ich zuerst der Länge nach und schneide sie dann in Scheiben oder kurze Stifte. Je gleichmäßiger die Stücke, desto gleichmäßiger trocknen sie. Je dünner, desto schneller.
Schälen oder nicht? Bei Wildwurzeln wie Löwenzahn, Baldrian oder Beinwell wird nicht geschält, weil viele Inhaltsstoffe direkt unter der Rinde sitzen. Ingwer und Kurkuma aus dem Handel schäle ich, außer es ist Bio-Ware.
Wurzeln richtig trocknen: 3 Methoden im Vergleich
Egal, welche Methode du wählst, das Prinzip ist immer gleich: niedrige Temperatur, gute Luftzirkulation, kein direktes Sonnenlicht. Zu viel Hitze kostet Inhaltsstoffe und Aroma, zu wenig Luft lässt die Stücke schimmeln, bevor sie trocken sind. Die drei Methoden unterscheiden sich vor allem in Dauer und Aufwand.
| Methode | Temperatur | Dauer | Geeignet für |
|---|---|---|---|
| Lufttrocknung | Zimmertemperatur, luftig, schattig | 2 bis 3 Wochen | Dünne Scheiben, kleine Mengen, ohne Strom |
| Backrohr | max. 50 °C, Umluft, Tür einen Spalt offen | mind. 4 Stunden | Mittlere Mengen, wenn es schnell gehen soll |
| Dörrautomat | 40 bis 50 °C | mind. 6 Stunden | Große Mengen, gleichmäßiges Ergebnis |
1. Lufttrocknung: Die sanfte Methode
Lufttrocknung ist die schonendste Variante und braucht nichts außer Geduld. Sie funktioniert bei Wurzeln nur, wenn die Stücke wirklich dünn geschnitten sind. Ganze Wurzeln oder dicke Stücke werden an der Luft in unserem Klima nicht trocken, bevor sie zu schimmeln beginnen.
- 1
Die Wurzelscheiben in einer Lage auf ein Gitter, ein Sieb oder eine Darre legen. Sie dürfen sich nicht berühren.
- 2
An einen warmen, luftigen und schattigen Ort stellen: Dachboden, Speisekammer, ein Regal in der Nähe des Ofens. Kein Fensterbrett in der Sonne, kein feuchter Keller.
- 3
Die Stücke jeden zweiten Tag wenden und dabei kontrollieren, ob alles trocken ist. Ein muffiger Geruch ist ein Warnzeichen.
- 4
Nach zwei bis drei Wochen den Brechtest machen (siehe unten). Bei Unsicherheit eine Woche länger liegen lassen.
Größere Wurzeln lassen sich auch auf einen Faden fädeln und wie eine Kette aufhängen. Das ist die traditionelle Methode, die auch heute noch gut funktioniert, solange die Stücke nicht dicker als ein Daumen sind.
2. Im Backrohr trocknen: Die schnelle Methode
Ein Backrohr hat fast jeder, und damit geht es deutlich schneller als mit der Lufttrocknung. Der Haken: Die meisten Backrohre lassen sich nicht unter 50 °C einstellen, und die tatsächliche Temperatur liegt oft höher als angezeigt. Ein Backofenthermometer ist hier eine kleine Investition, die sich lohnt.
- 1
Das Backrohr auf die niedrigste Stufe stellen, idealerweise 40 bis 50 °C mit Umluft. Wenn dein Rohr nur 50 °C oder mehr kann, nutze die Umluft und lass in Schritt 3 die Tür weiter offen.
- 2
Die Wurzelscheiben in einer Lage auf ein Gitter mit Backpapier legen. Auf dem Gitter trocknen sie gleichmäßiger als auf einem Blech.
- 3
Tür einen Spalt offen lassen und mit einem Holzkochlöffel fixieren. Nur so kann die Feuchtigkeit entweichen. Bei geschlossener Tür dämpfst du die Wurzeln, statt sie zu trocknen.
- 4
Nach etwa zwei Stunden wenden und danach stündlich kontrollieren. Dünne Scheiben brauchen mindestens vier Stunden, dicke Stifte deutlich länger.
- 5
Die Stücke vollständig auskühlen lassen, bevor du den Brechtest machst. Warme Wurzeln fühlen sich trockener an, als sie sind.
3. Im Dörrautomat trocknen: Die zuverlässige Methode
Wer regelmäßig Kräuter, Obst oder Gemüse trocknet, kommt am Dörrautomaten nicht vorbei. Für Wurzeln ist er die verlässlichste Methode, weil er konstant niedrige Temperatur mit ständiger Luftbewegung verbindet. Wie du das Gerät für Blätter und Blüten einstellst, habe ich im Beitrag Kräuter richtig trocknen beschrieben. Für Wurzeln gilt:
- 1
Die Scheiben mit etwas Abstand auf die Dörrgitter legen. Sehr kleine Stücke auf eine Dörrfolie oder ein Stück Backpapier, damit sie nicht durchfallen.
- 2
Temperatur auf 40 bis 50 °C stellen. Bei Wurzeln mit ätherischen Ölen wie Baldrian oder Engelwurz bleibe ich bei 40 °C, bei Ingwer und Kurkuma darf es 50 °C sein.
- 3
Nach der Hälfte der Zeit die Gitter tauschen, weil die unteren bei den meisten Geräten schneller trocknen.
- 4
Ab sechs Stunden regelmäßig ein Stück herausnehmen, auskühlen lassen und den Brechtest machen. Je nach Wurzel kann es auch deutlich länger dauern.
Die häufigsten Fehler beim Wurzeltrocknen
Der Brechtest: So erkennst du fertig getrocknete Wurzeln
Der einfachste und zuverlässigste Test ist der Brechtest: Nimm ein dickeres Stück aus der Mitte des Gitters und versuche, es zu brechen. Ist es wirklich trocken, bricht es mit einem hörbaren Knacken sauber durch. Biegt es sich, ist noch Feuchtigkeit drin.
Weitere Anzeichen für fertig getrocknete Wurzeln:
Wenn du unsicher bist, gib den Wurzeln lieber ein bis zwei Tage mehr. Ein einziges feuchtes Stück reicht, um im verschlossenen Glas den gesamten Inhalt zu verderben.
Kräuterwanderung
Wurzeln & Wildkräuter sicher erkennen lernen
Im Herbst sehen viele Pflanzen ohne Blüten und mit welken Blättern zum Verwechseln ähnlich aus, und bei der Wurzelernte hast du keine zweite Chance, dich zu vergewissern. Genau das üben wir bei meiner Kräuterwanderung in Niederösterreich, die ich ab 2027 wieder anbiete.
Welche Wurzeln sich trocknen lassen: Von Ingwer bis Kren
Grundsätzlich kannst du jede essbare oder heilkundlich genutzte Wurzel trocknen. Diese sieben Wurzeln landen bei mir jeden Herbst im Vorrat. Hier siehst du auf einen Blick, was bei jeder zu beachten ist.
| Wurzel | Erntezeit | Schnitt | Temperatur | Besonderheit |
|---|---|---|---|---|
| Löwenzahnwurzel | Ende Sept. bis Nov. oder März | längs halbieren, 3 bis 5 mm Scheiben | 40 bis 50 °C | Schnitt wird braun, das ist normal |
| Ingwer | ganzjährig (Handel) | 2 bis 3 mm hobeln | 50 °C | schälen, außer Bio-Ware |
| Kurkuma | ganzjährig (Handel) | 2 bis 3 mm hobeln | 50 °C | färbt stark, Handschuhe und Glasbrett verwenden |
| Meerrettich (Kren) | Okt. bis Nov. | schälen, Scheiben oder Raspeln | 40 bis 45 °C | scharfe Dämpfe, gut lüften |
| Baldrianwurzel | Herbst des 2. Jahres | ganze dünne Wurzeln | Luft oder max. 40 °C | intensiver Geruch, getrennt trocknen |
| Beinwellwurzel | Okt. bis Nov. | längs aufschneiden, Stifte | 40 bis 45 °C | nur äußerlich verwenden, trocknet langsam |
| Brennnesselwurzel | Herbst | kurze Stücke | 40 bis 50 °C | Handschuhe, trocknet zügig |
Getrocknete Wurzeln lagern & weiterverarbeiten
Fertig getrocknete Wurzeln lagerst du am besten im Ganzen oder in groben Stücken, nicht gemahlen. Das Pulver verliert deutlich schneller an Aroma und Wirkung. Gemahlen wird immer erst kurz vor der Verwendung.
So bleibt dein Wurzelvorrat ein Jahr lang gut:
Wurzelpulver selber machen
Für Gewürzmischungen, Smoothies oder zum Einrühren in Honig ist Wurzelpulver praktisch. Mahle die getrockneten Stücke in einer Kaffeemühle, die du nur für Kräuter verwendest, oder im Mörser. Harte Wurzeln wie Löwenzahn vorher mit dem Messer grob zerkleinern, sonst quält sich die Mühle. Das fertige Pulver durch ein Sieb streichen und in kleinen Mengen anlegen, für etwa zwei Wochen Bedarf.
Meine besten Tipps zum Wurzeltrocknen
Fazit: Wurzeln trocknen holt den Herbst ins Glas
Wurzeln zu trocknen ist keine Hexerei, aber es verlangt ein bisschen mehr Sorgfalt als ein Sträußchen Kräuter aufzuhängen. Wer die Grundregeln beherzigt, wird mit einem Vorrat belohnt, der bis zur nächsten Ernte reicht.
Was ich am Wurzelgraben so mag: Es verlängert die Sammelsaison bis in den November und holt mich an Tagen nach draußen in Wald und Wiese, an denen ich sonst drinnen bleiben würde. Und wenn im Jänner das erste Heferl Löwenzahnwurzeltee dampft, weiß ich genau, wo diese Wurzel gewachsen ist.
Fang am besten mit dem Löwenzahn an, der ist unverwechselbar und wächst überall. Und wenn du auch Blätter und Blüten für den Winter retten möchtest, findest du unter Kräuter richtig trocknen die passende Anleitung dazu.

Über die Autorin: Rosi Wokurek
Diplomierte Kräuterpädagogin
Ich bin Rosi – Naturliebhaberin und leidenschaftliche Vermittlerin alten Pflanzenwissens. Meine Begeisterung gilt der Welt der Kräuter, traditionellen Rezepturen und der Kunst, altes Wissen mit modernen Erkenntnissen zu verbinden. Bei Pflanzen-Handwerk gebe ich dieses Wissen in Kursen und Workshops weiter. Zudem teile ich hier im Blog regelmäßig Rezepte, Kräuterwissen und Inspiration rund um die Pflanzenwelt.
Wichtiger Hinweis: Die Inhalte auf pflanzenhandwerk.at dienen ausschließlich zu Informationszwecken. Wir sind keine Ärzte, Apotheker oder Heilpraktiker und stellen keine medizinischen Diagnosen oder Therapieempfehlungen. Bei gesundheitlichen Beschwerden konsultiere bitte immer einen Arzt oder Apotheker. Trotz sorgfältiger Recherche können Fehler nicht ausgeschlossen werden. Für die Richtigkeit, Vollständigkeit und das Gelingen von Rezepten und Anleitungen sowie für eventuelle Folgen der Anwendung übernehmen wir keine Haftung. Wir danken für dein Verständnis.
Häufige Fragen zum Wurzeltrocknen
Das hängt von Methode, Wurzel und Dicke ab. Dünn geschnittene Wurzelscheiben brauchen im Dörrautomaten bei 40 bis 50 °C mindestens sechs Stunden, im Backrohr mindestens vier Stunden und an der Luft zwei bis drei Wochen. Dicke Stücke oder ganze Wurzeln brauchen deutlich länger und trocknen an der Luft meist nicht durch.
Ideal sind 40 bis 50 °C. Wurzeln mit vielen ätherischen Ölen wie Baldrian oder Engelwurz trocknest du besser bei 40 °C, robuste Wurzeln wie Ingwer oder Löwenzahn vertragen 50 °C. Über 50 °C gehen Aroma und hitzeempfindliche Inhaltsstoffe verloren.
Davon rate ich ab. Die Mikrowelle erhitzt das Wasser im Inneren sehr schnell und ungleichmäßig, wodurch die Wurzeln außen verbrennen oder zäh werden, während sie innen feucht bleiben. Für Kräuterblätter mag es im Notfall funktionieren, für dicke Wurzelstücke nicht.
Bei Löwenzahn, Beinwell und einigen anderen Wurzeln ist eine Braunfärbung der Schnittflächen normal. Sie entsteht durch Oxidation des austretenden Pflanzensafts, ähnlich wie bei einem angeschnittenen Apfel, und ist kein Zeichen für Verderb. Werden die Stücke allerdings fleckig schwarz, weich oder riechen muffig, ist Schimmel im Spiel und die Wurzeln gehören entsorgt.
Heimische Wildwurzeln wie Löwenzahn, Baldrian, Beinwell oder Brennnessel werden nur gründlich gebürstet und gewaschen, nicht geschält, weil viele Inhaltsstoffe unter der Rinde sitzen. Bei Ingwer und Kurkuma aus konventionellem Anbau schäle ich, bei Bio-Ware nicht. Meerrettich wird immer geschält.
Richtig getrocknet und luftdicht, dunkel und kühl gelagert etwa zwölf Monate. Danach sind sie nicht verdorben, verlieren aber spürbar an Aroma und Wirkung. Lagere Wurzeln möglichst im Ganzen oder in groben Stücken und mahle sie erst kurz vor der Verwendung.
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