Portrait von Rosi

Rosi

27. Mai 2026

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Hildegard von Bingen: Heilwissen einer außergewöhnlichen Frau

Kaum eine Persönlichkeit verbindet altes Heilwissen, Naturverbundenheit und Spiritualität so eindrucksvoll wie Hildegard von Bingen. Die mittelalterliche Benediktinerin war Universalgelehrte, Heilkundige und Visionärin – und ihre Empfehlungen rund um Ernährung, Heilkräuter und ein maßvolles Leben sind heute aktueller denn je.

In diesem Beitrag nehme ich dich mit in das Leben und Wirken dieser bemerkenswerten Frau, stelle dir ihre wichtigsten Ideen vor und teile traditionelle Rezepte wie die berühmten Nervenkekse und den Maitrunk, die du ganz einfach selbst zubereiten kannst.

Wer war Hildegard von Bingen?

Hildegard von Bingen war eine der beeindruckendsten Frauen des Mittelalters: Äbtissin, Mystikerin, Heilkundige, Komponistin und Naturforscherin in einer Person. In einer Zeit, in der Frauen kaum Gehör fanden, verschaffte sie sich mit ihrem umfassenden Wissen und ihren Visionen Respekt bis hinauf zu Päpsten und Kaisern. Ihr ganzheitlicher Blick auf den Menschen – als Einheit von Körper, Geist und Seele – prägt die Naturheilkunde bis heute.

Leben im Kloster: Stationen einer Benediktinerin

Hildegard wurde 1098 als jüngstes von zehn Kindern einer adligen Familie in Bermersheim bei Alzey (im heutigen Rheinland-Pfalz) geboren. Als Kind kam sie in die Obhut der Klause am Disibodenberg, wo sie unter Jutta von Sponheim erzogen und schließlich zur Nonne geweiht wurde. Nach Juttas Tod wählten die Schwestern Hildegard zu ihrer Vorsteherin. Später gründete sie ein eigenes Kloster auf dem Rupertsberg bei Bingen sowie ein weiteres in Eibingen. Bis zu ihrem Tod im Jahr 1179 wirkte sie als Äbtissin, Beraterin und Heilkundige.

Visionärin, Heilerin, Gelehrte

Schon als kleines Kind erlebte Hildegard nach eigener Beschreibung Visionen – innere „Schauungen“, die sie später als göttliche Eingebungen deutete und niederschreiben ließ. Diese spirituelle Dimension durchzieht ihr gesamtes Werk. Gleichzeitig war sie eine genaue Beobachterin der Natur: Sie sammelte und ordnete das Heilwissen ihrer Zeit, beschrieb Pflanzen, Tiere und Steine und verband überliefertes Wissen mit eigenen Erkenntnissen. 2012 wurde sie von Papst Benedikt XVI. heiliggesprochen und zur Kirchenlehrerin erhoben – eine Ehre, die nur wenigen zuteil wird.

Die wichtigsten Werke von Hildegard von Bingen

Hildegards schriftliches Vermächtnis ist außergewöhnlich vielfältig. Es umfasst theologische Visionsschriften, naturkundliche und medizinische Werke, Musik und sogar eine eigene Geheimsprache. Für die Naturheilkunde sind vor allem ihre beiden heilkundlichen Schriften von Bedeutung.

„Physica“ und „Causae et Curae“

In der „Physica“ beschreibt Hildegard die Heilkräfte der Natur – Pflanzen, Bäume, Steine, Tiere und Metalle – und ihre Anwendung bei verschiedenen Beschwerden. Das Werk „Causae et Curae“ (Ursachen und Behandlungen) widmet sich den Ursachen von Krankheiten und ihrer Heilung und beschreibt den Menschen im Zusammenspiel mit den Kräften der Natur.

Aus diesen beiden Schriften stammt ein Großteil dessen, was wir heute als „Hildegard-Heilkunde“ kennen. Wichtig zu wissen: Vieles, was heute unter ihrem Namen verbreitet wird, ist eine spätere Interpretation und Weiterentwicklung ihrer ursprünglichen Texte.

Die Heillehre der Hildegard von Bingen

Hildegards Heilkunde ist kein loses Sammelsurium von Rezepten, sondern beruht auf einem zusammenhängenden Menschenbild. Im Zentrum steht der Gedanke, dass Gesundheit aus dem Gleichgewicht entsteht – zwischen Körper und Seele, zwischen Mensch und Natur, zwischen Anspannung und Ruhe.

Das rechte Maß: die „Discretio“

Das wohl wichtigste Prinzip in Hildegards Lehre ist die Discretio – das rechte Maß. Weder im Essen noch im Trinken, in der Arbeit oder im Ruhen solle der Mensch maßlos sein. Wer über die Stränge schlägt, überfordert nach Hildegard Körper und Geist gleichermaßen. Dieses Prinzip macht ihre Heilkunde so erstaunlich modern: Statt strenger Verbote steht ein ausgewogener, achtsamer Lebensstil im Mittelpunkt.

Viriditas: die „Grünkraft”

Ein weiterer zentraler Begriff ist die Viriditas, die Grünkraft oder Lebenskraft. Damit meinte Hildegard jene schöpferische, belebende Energie, die in allem Lebendigen wirkt – in Pflanzen ebenso wie im Menschen. Bestimmte Lebensmittel, Kräuter und Gewürze enthalten nach ihrer Auffassung besonders viel dieser Lebenskraft und stärken den Menschen, während andere sie schwächen. Aus dieser Idee leitet sich ihre gesamte Ernährungslehre ab.

Ernährung nach Hildegard von Bingen

Für Hildegard war Ernährung weit mehr als reine Nahrungsaufnahme, sie war Medizin. Sie unterschied klar zwischen Lebensmitteln, die dem Menschen guttun und seine Lebenskraft stärken, und solchen, die ihn belasten. Manche Speisen bezeichnete sie sinngemäß sogar als „Küchengifte“. Im Mittelpunkt ihrer Empfehlungen stehen einfache, frische und gut verträgliche Nahrungsmittel sowie der Einklang mit den Jahreszeiten.

Dinkel: das Lieblingskorn der Hildegard

Kein Lebensmittel lobte Hildegard so überschwänglich wie den Dinkel. Das alte Getreide galt ihr als besonders bekömmlich und kräftigend – ein Korn, das „den Menschen froh macht“. Dinkel ist reich an wertvollen Inhaltsstoffen und vielseitig verwendbar: als Brot, Brei, Suppe, Nudel oder geröstet sogar als Kaffeeersatz. In Hildegards Ernährungslehre und beim Fasten bildet er bis heute die Grundlage.

Heilpflanzen & Gewürze: Galgant, Bertram & Co.

Neben dem Dinkel spielen in Hildegards Heilkunde zahlreiche Kräuter und Gewürze eine wichtige Rolle. Zu den bekanntesten zählen:

  • Galgant (eine ingwerähnliche Wurzel, von Hildegard als „Gewürz des Lebens“ geschätzt)

  • Bertram (verdauungsfördernd und kräftigend)

  • Quendel (wilder Thymian)

  • Fenchel (für gute Verdauung und Wohlbefinden)

  • Beifuß

  • Wermut als kraftvolles Bitterkraut

Diese Pflanzen tauchen in vielen ihrer Rezepte wieder auf, auch in den weiter unten beschriebenen Nervenkeksen und im Maitrunk.

Fasten nach Hildegard von Bingen

Das Fasten nach Hildegard von Bingen erfreut sich bis heute großer Beliebtheit. Interessant ist dabei: Hildegard selbst hat keine fertige „Fastenmethode“ mit genauem Plan hinterlassen. Vielmehr leiten sich die heutigen Fastenformen aus ihrer Ernährungslehre und ihrem Leitprinzip der Discretio ab. Im Zentrum steht nicht der radikale Verzicht, sondern eine bewusste Reinigung und innere Sammlung – ein Leichterwerden an Körper und Geist.

So funktioniert das Hildegard-Fasten

Typisch für das Hildegard-Fasten ist die zentrale Rolle des Dinkels. Verbreitet sind mehrere Varianten, die von sanft bis streng reichen:

  • das Dinkelfasten mit Dinkel, Obst und Gemüse (gut für Einsteiger)

  • das Dinkelbrot-Fasten mit Dinkelbrot, Kräutertees und Dinkelgrießsuppe

  • strengere Reduktions- und Saftfasten-Formen

Begleitet wird das Fasten gerne von Fencheltee und milden Gemüsesuppen. Wer fasten möchte, bereitet den Körper idealerweise einige Entlastungstage lang darauf vor: mit leichter Kost, viel Obst und Gemüse und dem Verzicht auf Alkohol, Kaffee, Fleisch und schwere Speisen.

Für wen ist das Fasten geeignet?

Ganz im Sinne der Discretio gilt: Fasten muss zum Menschen passen. Hildegard wusste, dass strenges Fasten nicht für jeden geeignet ist. Sanfte Formen wie das Dinkelfasten lassen sich gut in den Alltag integrieren, während intensivere Kuren mehr Vorbereitung und Ruhe erfordern.

Rezepte von Hildegard von Bingen zum Selbermachen

Das Schöne an Hildegards Heilkunde ist, dass sich vieles davon ganz einfach in der eigenen Küche umsetzen lässt. Zwei Klassiker möchte ich dir besonders ans Herz legen: die nervenstärkenden Kekse und den belebenden Maitrunk. Beide gehören zu den bekanntesten Rezepten und lassen sich mit überschaubarem Aufwand selbst herstellen.

Nervenkekse: das Originalrezept

Die „Nervenkekse“ – manche nennen sie heute augenzwinkernd „Stresskekse“ – gehen auf eine Empfehlung Hildegards zurück und sollen das Gemüt aufhellen, die Nerven stärken und für Gelassenheit sorgen. Ursprünglich waren sie übrigens nicht als Naschwerk, sondern als Heilmittel gedacht.

Im Originaltext heißt es (Ortrun Riha: Heilsame Schöpfung – Die natürliche Wirkkraft der Natur: Physica. Beuroner Kunstverlag, 2012, ISBN 978-3-87071-271-6.):

 „Nimm Muskatnuss und ebensoviel Zimt und etwas Nelken, zerstoße das und mach mit diesem Pulver und mit Semmelmehl und etwas Wasser Küchelein und iss diese häufig.“

Zutaten (für ca. 40 Kekse):

  • 500 g Dinkelmehl

  • 250 g weiche Butter

  • 150 g Honig (alternativ Rohrohrzucker)

  • 2 Eier

  • 1 Prise Salz

  • 25 g Zimtpulver

  • 10 g Muskatpulver

  • 5 g Nelkenpulver

  • nach Belieben etwas gemahlener Galgant

Zubereitung:

  • 1

    Alle Zutaten zu einem geschmeidigen Mürbteig verkneten.

  • 2

    Den Teig zu Rollen formen oder als Kugel etwa 1 Stunde im Kühlschrank kalt stellen.

  • 3

    Den gekühlten Teig ausrollen und Kekse ausstechen (oder von der Rolle in dünne Scheiben schneiden).

  • 4

    Die Kekse auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech legen.

  • 5

    Bei etwa 175-180 °C rund 8-12 Minuten backen, bis sie goldgelb sind. Nicht zu dunkel werden lassen.

  • 6

    Vollständig auskühlen lassen, damit sie schön knusprig werden.

Maitrunk nach Hildegard von Bingen

Der Maitrunk – auch Wermuttrank oder Maikur genannt – ist ein belebendes Frühjahrselixier auf Basis von Wermut, Wein und Honig. Hildegard schrieb dem Wermut zahlreiche stärkende Eigenschaften zu und empfahl den Trunk als kräftigende Frühjahrskur.

Die überlieferte Anweisung lautet (Ortrun Riha: Heilsame Schöpfung – Die natürliche Wirkkraft der Natur: Physica. Beuroner Kunstverlag, 2012, ISBN 978-3-87071-271-6.):

„Wenn der Wermut frisch ist, zerreibe ihn und drück seinen Saft durch ein Tuch aus. Koch dann Wein leicht mit Honig und gieß diesen Saft in den Wein, so dass sich besagter Saft gegenüber Wein und Honig geschmacklich durchsetzt, und trink das von Mai bis Oktober alle drei Tage nüchtern und kalt.“

Zutaten:

  • frischer Wermut (für den ausgepressten Saft)

  • ca. 1 Liter Wein (alternativ naturtrüber Traubensaft für die alkoholfreie Variante)

  • ca. 150 g Honig

Zubereitung:

  • 1

    Den frischen Wermut zerstampfen und den Saft durch ein Tuch auspressen.

  • 2

    Wein und Honig gemeinsam kurz aufkochen.

  • 3

    Den Wermutsaft in den heißen Honigwein geben – so viel, dass der Wermutgeschmack den Wein- und Honiggeschmack deutlich übertrifft.

  • 4

    Heiß in saubere Flaschen füllen und kühl sowie dunkel aufbewahren.

Weitere beliebte Hildegard-Rezepte

Wer auf den Geschmack gekommen ist, findet in Hildegards Heilkunde noch viele weitere Klassiker zum Ausprobieren: Dinkelkaffee als bekömmlichen Kaffeeersatz, eine Fenchel-Galgant-Gewürzmischung für die Verdauung, Galgant pur als schnelle „Herzstärkung“, den Petersilien-Honig-Wein („Herzwein“) sowie wärmende Dinkelsuppen für die Fastenzeit. Viele dieser Rezepte beruhen auf wenigen, einfachen Zutaten – ganz im Sinne von Hildegards Liebe zur naturnahen, unkomplizierten Küche.

Hildegard von Bingen heute: Was wir von ihr lernen können

Auch fast tausend Jahre nach ihrem Wirken hat Hildegard von Bingen nichts von ihrer Faszination verloren. Ihr ganzheitlicher Blick – die Einheit von Körper, Geist und Seele, das rechte Maß und die enge Verbindung zur Natur – trifft den Nerv unserer Zeit. Vieles, was sie empfahl, deckt sich mit dem, was eine bewusste, naturverbundene Lebensweise heute ausmacht. Wichtig bleibt dabei ein ehrlicher Umgang: Ihre Heilkunde beruht auf Überlieferung, Tradition und Erfahrungswerten, nicht auf moderner wissenschaftlicher Beweisführung. Als Inspiration für einen achtsameren, naturverbundeneren Alltag ist sie jedoch ein wahrer Schatz.

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Fazit: Altes Wissen neu entdecken

Hildegard von Bingen zeigt uns, dass altes Heilwissen und ein naturverbundener Lebensstil zeitlos sind. Ihr Prinzip vom rechten Maß, ihre Wertschätzung für heimische Kräuter und ihre einfachen, wirkungsvollen Rezepte laden dazu ein, achtsamer mit uns selbst und der Natur umzugehen. Wenn du Lust bekommen hast, tiefer in die Welt der Heilpflanzen einzutauchen und das Verarbeiten von Kräutern selbst zu erlernen, schau dir gerne meine Kurse und Workshops an – dort trifft altes Wissen auf praktische Anwendung.

Häufige Fragen zu Hildegard von Bingen

Wann lebte die heilige Hildegard von Bingen?2026-05-27T13:23:58+02:00

Hildegard von Bingen lebte von 1098 bis 1179, also im Hochmittelalter. Sie wurde über 80 Jahre alt – ein für die damalige Zeit außergewöhnlich hohes Alter. 2012 wurde sie heiliggesprochen und zur Kirchenlehrerin erhoben.

Was empfiehlt Hildegard von Bingen zum Abnehmen?2026-05-27T13:24:40+02:00

Im Mittelpunkt steht das rechte Maß (Discretio): maßvolles, bewusstes Essen statt strenger Diäten. Dinkel bildet die Basis, Fasten dient als Impuls zur Reinigung, und auf belastende „Reizmittel“ wie Alkohol, Zucker und schwere Speisen sollte verzichtet werden.

Was empfiehlt Hildegard von Bingen bei Entzündungen?2026-05-27T13:31:18+02:00

Zu Hildegards klassischen Empfehlungen zählen Gewürze und Kräuter wie Galgant, Bertram und Fenchel sowie wärmende, leicht verdauliche Kost. Diese Angaben beruhen auf der Überlieferung Hildegards und ersetzen keinen ärztlichen Rat – bei anhaltenden Beschwerden bitte ärztlich abklären lassen.

Welche Kräuter nutzte Hildegard von Bingen?2026-05-27T13:31:53+02:00

Zu ihren wichtigsten Heilpflanzen und Gewürzen gehören Galgant, Bertram, Fenchel, Quendel (wilder Thymian), Beifuß und Wermut.

Was ist der Maitrunk von Hildegard von Bingen?2026-05-27T13:34:36+02:00

Der Maitrunk – auch Wermuttrank oder Maikur genannt – ist ein belebendes Frühjahrselixier aus Wermut, Wein (oder Traubensaft) und Honig. Überliefert ist, ihn von Mai bis Oktober jeden dritten Tag morgens nüchtern in der Menge eines kleinen Likörglases zu trinken. Er gilt als kräftigende Frühjahrskur.

Wofür sind die Nervenkekse gut?2026-05-27T13:35:21+02:00

Die Nervenkekse sollen nach Hildegard das Gemüt aufhellen, die Nerven stärken und zu innerer Gelassenheit beitragen. Verantwortlich dafür ist vor allem die wärmende Gewürzmischung aus Zimt, Muskat und Nelken. Traditionell gelten sie als Heilmittel und werden daher in kleinen Mengen genossen.

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2026-06-16T17:39:04+02:00
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